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Dem Stress in der Kreativbranche entgegenwirken

Mangelnde Unterstützung, wenig Anerkennung, knappe Deadlines und zu kurze Regenerationsphasen setzen Kreativschaffende häufig unter Druck; ein hoher Stresslevel wird zum Dauerzustand. Ein lobendes Wort, die Obstschale oder der Tischkicker im Pausenraum sind dabei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Was können Chefs von Agenturen, aber auch Architekturbüros, Designstudios oder Redaktionen machen, um ihre Mitarbeiter bei dauerhaft hohen Anforderungen zu entlasten?

Wichtig ist, dass Stressprävention und Stressmanagement Chefsache sind, das heißt entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört z. B. kurzfristige Termine möglichst abzuwenden und den Kunden langfristig zu führen. Hier hilft die Erfahrung der Senior-Berater, die Timings souverän aushandeln können. Die Führungsebene sollte das Engagement der Mitarbeiter wertschätzen und Leistungen honorieren, beispielsweise durch vernünftige Überstunden-Modelle. Wertschätzung bedeutet aber auch neben dem angemessenen Loben oder Danken für gute Leistung Interesse für die berufsbedingten Stressauslöser des Mitarbeiters zu zeigen sowie die Bereitschaft, Lösungen zu erarbeiten. Als Basis sind ein respektvoller Umgang und eine Unternehmenskultur, mit der sich die Mitarbeiter identifizieren können, wichtig.

Außerdem sollten Agenturen sich selbst nicht als Bittsteller sehen, sondern sich ihren Kunden gegenüber auf gleicher Augenhöhe präsentieren. Dadurch können sie intern besser auf ihre Mitarbeiter eingehen. So lohnt sich die Investition in eine selbstbewusste Agentur-Haltung nach außen auch für den Stressabbau im Team. Stressprävention ist letztlich eine weitere wichtige Maßnahme, die langfristig zu leistungsfähigen, kreativen und agilen Agenturen führt.

Einige Agenturen gehen mit positivem Beispiel voran und zeigen wie es gelingen kann. Sie bieten anonyme Feedbackmöglichkeiten, Vorträge sowie Skype- und Online-Coaching zur Burnout-Aufklärung. Und schaffen Freiräume von Sabbaticals über längere Auszeiten für die Mitarbeiter und die Möglichkeit, flexibel von zu Hause aus zu arbeiten.

Aber nicht nur die Agenturen sind gefordert, jeder Mitarbeiter muss zudem auf sich selbst achten. Dazu gehören ein gesunder Umgang mit den eigenen Ressourcen und die innere Stärke, für seine Bedürfnisse einzutreten.

Was kann dabei helfen?

  • Dauer-Überlastung beim Vorgesetzten ansprechen
  • Dem Berater oder Projektleiter rechtzeitig mitteilen, wenn das Pensum nicht in dem Zeitfenster zu schaffen ist, damit dieser das Projekt einsteuern und mit dem Kunden abklären kann
  • Ärger nicht runterschlucken, sondern angemessen ausdrücken
  • Abgrenzen: auch mal nein sagen
  • In Selbstfürsorge üben: Tür zu, Kopfhörer auf, Handy aus usw.
  • Klare Grenze setzen zum Privatleben: keine beruflichen Mails nach Feierabend abrufen
  • Individuell nützlichen Ausgleich schaffen; Hobbys, Familie, Faulenzen, Sport, Entspannungsstrategien erlernen wie Fünf-Minuten-Meditation, Yoga oder autogenes Training
  • Nicht in Verzweiflung suhlen, Fokus auf Lösungen richten: Wo habe ich Handlungsspielräume?
  • Mut zur eigenen Haltung bzgl. Stress-Grenze, auch wenn andere sich nicht gestresst zeigen
  • Mittagspause machen: Wer täglich Pausen macht, kann bessere Leistungen erzielen

Weiterführende Links:

• "Allways on" fördert ungesunden Stress

• Wie kann die 4-Tage-Woche in Agenturen gelingen?

• Wie entwickelt sich die Work-Life-Balance in der Kreativbranche?

• Konflikte sind Stressauslöser: Wie können Mitarbeiter Konflikte sofort klären?

 

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